Mit großer Betroffenheit haben wir die Nachricht vom Ableben von Herrn Prof. Dr. med. Hermann P. T. Ammon aufgenommen. Herr Prof. Ammon war ein herausragender Wissenschaftler und mit unserer Gesellschaft über Jahrzehnte sehr eng verbunden.
Als Direktor des Pharmazeutischen Instituts der Universität Tübingen (1984-2001), Präsident der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft und Präsident der Deutschen Diabetesgesellschaft war er vor der Jahrtausendwende und danach eine fixe Größe im Bereich der pharmazeutischen Wissenschaft.
Im Rahmen einer Indienreise, über die Prof. Ammon bei seinen lebendigen Vorträgen oft sehr anschaulich erzählt hatte, wurde er mit ein paar „Harzklumpen“ beschenkt, die als „salai guggul“ bezeichnet wurden. Dieses Harz sollte gut für die Lunge, den Darm und die Gelenke sein, war ihm gesagt worden. Sein Forschergeist fand bald heraus, welch wertvolle Inhaltsstoffe dieses Weihrauchharz enthält. Fortan war die Forschung über Weihrauch und seine Inhaltsstoffe eines seiner wichtigen Forschungs- und Vortragsthemen. Für seine bahnbrechende Studie mit dem Titel: „Prävention eines Typ 1-Diabetes mit Boswelliaextrakten und Boswelliasäuren“ wurde er 2011 mit dem Dr. Bürger-Büsing-Preis zur Förderung der diabetologischen Wissenschaften ausgezeichnet.
Der Kontakt von Prof. Ammon zur DGA und DAA wurde von Dr. Erst Schrott geknüpft, der 1998 ein erstes Buch über Weihrauch veröffentlichte und dabei mit Prof. Ammon in fachlichen Austausch kam. Herr Prof. Ammon war von da an ein gern gesehener Gastsprecher bei mehreren wissenschaftlichen Tagungen der Deutschen Gesellschaft für Ayurveda und bei mehreren Vortragstagungen im Rahmen der Medizinischen Woche Baden-Baden. Er konnte jedes Mal die Zuhörer mit seinen lebendigen Darstellungen wissenschaftlicher Fakten begeistern.
Als wissenschaftlicher Beirat war er ein wichtiger Ratgeber für den Vorstand der DGA und die Geschäftsführung der DAA in den Belangen Forschung und Lehre.
Einem breiteren Publikum der europäischen Ayurveda-Community wurde Prof. Ammon durch sein mit Dr. Ernst Schrott verfasstes Buch „Heilpflanzen der Ayurvedischen und der westlichen Medizin“, veröffentlicht im Springer Verlag, bekannt. Dieses Werk, das soeben in 2. Auflage herauskommt, gibt erstmalig einen großen, wissenschaftlich fundierten Überblick über die ayurvedische Pharmakopöe für den deutschsprachigen Leser.
Als Brückenbauer zwischen den scheinbar so unterschiedlichen Welten der traditionellen Ayurveda Medizin und der modernen medizinischen Forschung hat Prof. Ammon einen unschätzbaren Beitrag zur Annäherung zwischen Ost und West, Tradition und Moderne geleistet, indem er die Ergebnisse der empirisch gefundenen Wirkungen der Heilpflanze Boswellia serrata (Weihrauch) im Sinn der modernen Medizin wissenschaftlich aufgearbeitet hat. Damit hat er den Weg zur klinischen Nutzung der Heilpflanze Weihrauch in Europa geebnet.
Im Namen des Vorstands der DGA, der Geschäftsführung der DAA und aller Mitglieder bedanken wir uns bei Prof. Ammon für seinen unschätzbaren Beitrag zur wissenschaftlichen Erforschung von Weihrauch und für seine Veröffentlichungen zur ayurvedischen Pharmakopöe. Wir werden Herrn Prof. Dr. Hermann Philipp Theodor Ammon immer als großen Wissenschaftler, als wohlwollenden Förderer des Ayurveda in Europa und als immer freundlichen Kollegen ehrend im Gedächtnis bewahren.